Christian Theodor Weinlig / Franz Anton Morgenroth:
»Vorlesungen über General Bass und Composition«,
Praeparativer Theil
(Unveröffentlichtes Manuskript: Unterrichtsmitschriften von Franz Anton Morgenroth aus dem Unterricht bei Christian Theodor Weinlig, 1811)
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- [Titelseite]
- Wichtige Werke.
- Einleitung.
- Praeparativer Theil:
<S. 1>
[Titelseite]
Praeparativer Theil
zur
Erlernung der Composition
durch
den Musik-Director Herrn Theodor Weinlig
vorgetragen
vom 1t October 1810. bis ultimo April 1811.
Nebst einer Beilage No. I
gesammel[t]
durch
Morgen[roth] {abgerissene Ecke}
<S. 2>[leere Seite]
<S. 3>
Vorlesungen
über
General Bass und Composition.
überhaupt,
durch
den Musick-Meister Herrn Theodor
Weinlig
zu
Dresden im October
1810.
gehört durch
Morgenroth
<S. 4 / I-1>
Wichtige Werke.
Generalbass: Türcks Anweisung.
Bachs Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen.
Geschichte der Musik: Forkels Anweisung 2. Bände.
Aesthetik der Musik: Sulzers Theorie der schönen Künste.
Akustik: Cladnys [recte: Chladnis] Werk darüber.
Canonik: Fürst Primas ehemaligen Freiherre v. Dalbergs Werk.
Setz-Kunst: Kirnbergers Lehre des reinen Satzes.
Fuchs: [recte: Fux] Gradus ad Parnassum deutsch übersezt durch Mitzler
Mathesons vollkommener Kapell-Meister
Contrapunct: insbesondere
Albrechsbergers Anweisung zur Composition.
Marpurgs Handbuch beim Generalbass und der Composition.
Martinis Sazzio [recte: Saggio] di Contrapuncto.
Fuge: Marpurgs Abhandlung über die Fuge.
Melodie: Nichelmanns Abhandlung darüber.
Rythmus: Rypels [recte: Riepels] Anweisung darüber.
Kochs Versuch einer Anleitung zur Composition.
Kochs musikalisches Lexicon.
<S. 5 / I-2>
Einleitung.
§. 1. {Musik}
Die Musick als Kunst betrachtet, thut weiter nichts, als daß sie die natürlichen Eigenschaften des Gesanges erhöht, und in dem Wesen der Sache selbst die Regeln aufsucht, durch deren Beobachtung der Gesang vollkommener wird.
§. 2. {Setzkunst}
Die musikalische Seztkunst [Setzkunst] oder Composition ist daher die Fertigkeit, ein Tonstück nach gewißen aus der Natur der Sache abgeleiteten Regeln aus eigener Phantasie hervorzubringen und aufzuzeichnen.
§ 3. {Regeln}
Jene Regeln nun betreffen entweder die Materialien, den Stof aus welchem der Tonsetzer seine Ideen bildet, und müssen daher eher vestgestelt [festgestellt] seyn, als an Erfindung eines Tonstückes gedacht werden kann, oder sie beziehen sich auf die eigentliche Composition und wirken unmittelbar bei der Erfindung, daher zerfallen sie in zwey Haupt-Abtheilungen, nehmlich: in den praeparativen und practischen Theil.
Praeparativer Theil:
§. 4. {Vorkenntnisse}
Die den praeparativen Theil ausmachenden Vorkenntniße sind entweder allgemeine insofern sie jedem, der irgend ein Fach der Musick gründlich lernen will, nothwendig, oder specielle das heißt solche, die den gelehrten Musicker und besonders den Tonsezzer angehen, welche leztern die Künste vom General Basse in sich begreiffen.
Erster Abschnitt.
Allgemeine Vorkentniße.
§. 5. {Ton}
Ton in weitern Sinne des Worts heißt jeder Klang, welcher sich nach seiner Höhe und Tiefe bestimmen läßt.
<S. 6 / I-3>
§ 6. {Ton Forts.}
Die Entstehung des Tons und deßen übrige physische Eigenschaften sind ein Gegenstand der Akustik.
§ 7. {Ton Forts.}
Die Zahl der möglichen Töne geht durch die vielfältige Modification der Höhe oder Tiefe eines Klanges in das Unendliche, Wir haben es aber hier nur mit den Tönen zu thun, die in der Musick aufgenommen und gebräuchlich sind.
Kapitel I.
Bezeichnung der Töne durch die Noten.
§ 8. {»Haupttöne«}
Es giebt nur sieben der Benennung nach verschiedene Haupttöne, welche in nachstehender Ordnung aufeinanderfolgen
C.
D.
E.
F
G
A
H.
Der achte Ton, da er mit ersten gleich zu seyn scheint, erhält auch gleiche Benennung, so der neunte wie der zweite u. s. w.
§ 9. {Oktave}
Alle Töne, die zwischen einem ersten und achten innen [?] liegen, nennt man eine Octave. Man zähle von C. bis C. von D. bis D. u. s. w.
§ 10. {Fünf-Linien-System}
Z d Bezeichnung dieser in der Musick gebräuchlichen Töne durch Noten bedient man sich einer 5.fachen Linien Reihe, deren Linien und Zwischenräume den Nahmen des darauf portirten Noten-Kopfs bestimmen.
§. 11. {Notenschlüssel}
Die Linien und Zwischen-Räume des Noten Plans selbst erhalten aber ihre den Noten mitzutheilende Benennungen durch das am Anfange eines jeden Stücks anzugebende Zeichen oder den Schlüßel, deren es drey giebt, nehmlich den C. Schlüßel G. Schlüßel und den F. Schlüßel. Die Linie, worauf der Schlüßel stehet, erhält den Nahmen des Tones, nach welchen der Schlüßel <S. 7 / I-4> genannt wird, und nach ihr richtet sich die Benennung der übrigen Linien und Zwischenräume.
§. 12. {Notenschlüssel Forts.}
Nach der verschiedenen Stellung dieser Schlüßel hat man neue [neun] besondere Arten, die Linien zu benennen, nehmlich:
C. Schlüßel
1.) auf der untern Linie. Soprano.
2.) auf der zweiten Linie: mezzo soprano.
3.) auf der mitlern Linie: Alto, oder Contra Alto.
4.) auf der vierten Linie: Tenore.
5.) auf der fünften Linie: Tiefer Tenor oder Contratenore
F. Schlüßel
1.) auf der vierten Linie: der gewöhnliche Bass Schlüßel
2.) auf der mitlern Linie: hoher Bass.
3.) auf der obersten Linie: der tiefe Bass.
G. Schlüßel
1.) auf der zweiten Linie: der Violin Schlüßel
2.) auf der ersten Linie: der Französische Schlüßel.
§. 13. {Hilfslinien}
Die fünf Linien des Noten Plans, welche für sich nur 11 Töne bezeichnen können, werden, sobald man diesen Umfang überschreiten will, mit kleinen Strichen unter den Noten Köpfen und durch dieselben fortgesezt.
§. 14. {Oktavlagen}
Da die Benennung der Töne in allen Octaven dieselbe bleibt, es folglich mehr als ein C. als ein D. u. s. w. giebt, so ist es zu deren Unterscheidung nothwendig, die Nahmen der verschiedenen Octaven, welche man diesfals [=in diesem Fall] von unterm C zum obern H. zu rechnen, zu kennen. Sie heißen, erstens: die große Octave, die kleine, die eingestrichene, die zweigestrichene und die dreygestrichene u. s. w.
§. 15. {Schlüssel und Oktavlagen}
Der C. Schlüßel bezeichnet abemal [?] das einmal gestrichene C. der G. Schlüßel das einmal gestrichene G. und der F. Schlüßel das eingestrichene F.
§. 16. {Stimmumfang}
Alle jene Octaven sind zwar auf dem Clavir Instrumenten vorhanden, allein der Umfang der Singe-Stimmen ist weit <S. 8 / I-5> beschrenckter. Der Bass geht nehmlich in Durchschnitt gerechnet von großen G. bis einmal gestrichen D. – Der Tenor vom ungestrichenen C. bis einmalgestrichenen G. der Alt vom ungestrichenen H bis zweimal gestrichenen D. – und der Sopran vom einmal gestrichenen E. bis zweimal gestrichenen G.
§ 17. {Alterationen}
Die auf den natürlichen Stufen des Noten Plans d. h. deßen Linien und Zwischen-Räume vorkommenden 7. Haupt-Töne können um die Helfte eines solchen Schritts, wie von C. zu D. geschieht, erhöht oder vertieft werden, ohne ihre Stelle auf dem Noten-Plan zu verändern.
§ 18. {Alterationen Forts.}
Erhöhungen und Vertiefungen (Alteration) werden vermittelst der auf der Linie oder dem Zwischenraume wo die zu alterirende Note steht, angebrachten Versezzungs-Zeichen angedeutet; sie sind das ♯ zur Erhöhung und das ♭. zur Vertiefung.
[...]
§. 19.
§. 20.
§. 21.
§. 22.
§. 23.
§. 24.
§. 25.
§. 26.
§. 27.
§. 28.
§. 29.
Kapitel II.
Von den Intervallen.
§. 30.
§. 31.
§. 32.
§. 33.
§. 34.
§. 35.
§. 36.
§. 37.
§. 38.
Kapitel III.
Von der Tonleiter.
§. 39.
§. 40.
§. 41.
§. 42.
§. 43.
§. 44.
§. 45.
§. 46.
§. 47.
§. 48.
§. 49.
§. 50.
§. 51.
§. 52.
Kapitel IV.
Ton im reynen Sinne des Wortes.
§. 53.
§. 54.
§. 55.
§. 56.
§. 57.
§. 58.
§. 59.
Das Intervall der übermäßigen Quarte trift man sowohl in der harten Tonart von der Quarte zur Septime als in der weichen von der Sexte zur Sekunde der zweiten höhern Octave. Im letztern Falle behält es seine ursprüngliche Benennung, allein im ersten heißt man es Tritonus, und die aus der Umkehrung entstehende verminderte Quinte "falsche Quinte" Hieher gehört auch die in der weichen Tonart durch zufällige Erhöhung des Leite-Tons entstehende übermäßige Quarte.
§. 60.
§. 61.
§. 62.
§. 63.
§. 64.
§. 65.
§. 66.
Kapitel V.
Vom Takte.
§. 67.
§. 68.
§. 69.
§. 70.
§. 71.
§. 72.
§. 73.
§. 74.
§. 75.
§. 76.
§. 77.
§. 78.
§. 79.
§. 80.
§. 81.
§. 82.
§. 83.
Kapitel VI.
Vom Tempo.
§. 84.
§. 85.
§. 86.
§. 87.
§. 88.
§. 89.
§. 90.
§. 91.
§. 92.
§. 93.
Zweyter Abschnitt.
General-Bass.
Einleitung.
§. 94.
§. 95.
§. 96.
§. 97.
§. 98.
§. 99.
§. 100.
§. 101.
Kapitel I.
Consonanz und Dissonanz.
§. 102.
§. 103.
§. 104.
§. 105.
§. 106.
§. 107.
§. 108.
§. 109.
§. 110.
§. 111.
Kapitel II.
Harmonischer Dreyklang.
§. 112.
{Überschrift »§. 112.« steht über Kapitel II, gehört aber eigentlich darunter; hier korrigiert.}
§. 113.
§. 114.
§. 115.
§. 116.
§. 117.
§. 118.
§. 119.
§. 120.
§. 121.
§. 122.
§. 123.
§. 124.
§. 125.
§. 126.
§. 127.
§. 128.
§. 129.
Kapitel III.
Septimen Accord.
§. 130.
§. 131.
§. 132.
§. 133.
§. 134.
§. 135.
§. 136.
§. 137.
§. 138.
§. 139.
§. 140.
§. 141.
§. 142.
§. 143.
§. 144.
§. 145.
§. 146.
§. 147.
§. 148.
§. 149.
§. 150.
§. 151.
Kapitel IV.
Zufällige Dissonanzen oder Vorhalte.
§. 152.
§. 153.
§. 154.
§. 155.
§. 156.
§. 157.
§. 158.
§. 159.
§. 160.
§. 161.
§. 162.
§. 163.
§. 164.
§. 165.
§. 166.
§. 167.
§. 168.
§. 169.
Kapitel V.
Von den durchgehenden Noten.
§. 170.
§. 171.
§. 172.
§. 173.
§. 174.
§. 175.
Kapitel VI.
Von der Fortschreitung der Stimmen.
§. 176.
§. 177.
§. 178.
§. 179.
<S. 58 / I-55>
§. 180. {Vorsicht bei »unsingbaren Intervallen«}
Bei den übrigen freien Fortschreitungen haben sich die Stimmen noch vor gewißen unsingbaren Intervallen in Acht zu nehmen, welche theils nur im Nothfalle, oder da, wo der Gesang mit Fleiß eine gewiße Härte oder etwas Leidenschaftliches haben soll, zu gebrauchen, theils aber gänzlich zu vermeiden sind.
§. 181.
In die erste Klaße d. h. unter die nur im Nothfalle oder, im leidenschaftlichen Gesange zu gebrauchenden Intervallen sind folgende zu rechnen: 1.) die übermäßige 2de sowohl auf- als abwärts 2.) die verminderte Terz abwärts 3.) der Tritonus in jeder Bewegung und die vermiederte Quarte aufwärts 4,) die große Septime aufwärts und die kleine abwärts. Außer diesen Intervallen findet man noch wiewohl höchst seltens 5.) die übermäßige Sexte aufwärts, und 6.) die verminderte Octave aufwärts. – Wendet man ein Intervall dieser Klaße an, so muß man wenigstens dabei die aus der Natur des Leite-Tons und der Auflösung der Dissonanzen entspringende Regel beobachten, daß übermäßige Intervalle aufwärts gebraucht, noch einen halben Ton höher, abwärts aber einen halben Ton unter sich, verminderte hingegen aufwärts gebraucht, einen halben Ton unter sich und abwärts einen halben Ton über sich – treten müßen. Die übermäßige Quarte nicht der Tritton, welcher §. 59. von ihr unterschieden ward, kann ohne Bedenken auf und abwärts vorkommen, und braucht auch im ersten Falle nicht wie der Tritton, einen halben Ton über sich zu treten, da sie keinen Leite-Ton enthält.
§ 182.
Zu der 2ten Klaße d. h. zu den ganz zu vermeidenden Intervallen gehört – 1.) die verminderte Terz aufwärts 2.) die übermäßige Quinte in jeder Bewegung 3.) die übermäßige Sexte abwärts 4.) die große Septime abwärts 5.) die verminderte Oktave abwärts, und die übermäßige in jeder Bewegung.
[...]
§. 183.
§. 184.
§. 185.
§. 186.
§. 187.
§. 188.
§. 189.
§. 190.
§. 191.
§. 192.
§. 193.
§. 194.
§. 195.
§. 196.
Anfang vom Generalbass-Spielen.
§. 197.
§. 198.
§. 199.
§. 200.
§. 201.
§. 202.
§. 203.
§. 204.
§. 205.
§. 206.
§. 207.
[...]
Ende des praeparativen Theils.