Christoph Nichelmann: »Die Melodie nach ihrem Wesen sowohl als nach ihren Eigenschaften. Nebst 22 Kupfer-Tafeln«

(Dantzig, Johann Christian Schuster, 1755)
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Die Melodie nach ihrem Wesen sowohl, als nach ihren Eigenschaften,

von

Christoph Nichelmann

Königl. Preußischen Cammer-Musicus.

Nebst 22. Kupfer-Tafeln.

Ars, cum a natura profecta sit, nisi natura moveat ac delectet, nihil sane egisse videtur.

Cic. de Orat. lib. 3. c. 50.

Dantzig,

bey Johann Christian Schuster,

1755.

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Inhalt

I. Capitel. Die Musik ist die Wissenschaft des Klanges. – S. 1
II. Cap. Es giebt eine ursprüngliche Ordnung der auf einander folgenden Töne. – 2
III. Cap. Jeder Klang ist schon eine Harmonie. – 2
IV. Cap. Worinnen die Thorie und worinnen die unterschiedlichen Arten der Ausübung der Musik bestehen. – 3
V. Cap. Die allgemeineste Regel der Composition. – 4
VI. Cap. Von dem Subject, oder der Materie, mit welcher die Musik umgehet. Materia in qua. – 6
VII. Cap. Von dem Object, oder der Materie, um welcher willen die Musik arbeitet. Materia circa quam. – 8
VIII. Cap. Die Harmonie wirket nur mittelst der Bewegung. – 8
IX. Cap. Zeit und Dauer der Bewegung einer Musik kann nur auf dreyerley Art beschaffen seyn. – 9
X. Cap. Von den drey verschiedenen Haupt-Setz- oder Schreib-Arten in der Musik. – 10
XI. Cap. Von der Form der musikal. Zusammensetzungen, und von dem letzten Endzwecke der Musik. – 10
XII. Cap. Von dem Vorwurfe der gegenwärtigen Abhandlung. – 11
XIII. Cap. Nähere Erläuterung dessen, wovon allhier eigentlich die Rede ist. – 13
XIV. Cap. Wie das monodische und das polyodische Verfahren voneinander unterschieden sind. – 15
XV. Cap. Wie man in der Composition auf monodische Art zu Werke geht. – 16
XVI. Cap. Erklärung der polyodischen Art der Grundlegung eines Gesange– S. 20
XVII. Cap. Scheinbare Vorzüge der monodischen Art der Grundlegung eines Gesange– S. 24
XVIII. Cap. Widerlegung derselben. – 25
XIX. Cap. Die monodische Art der Grundlegung zu einem Gesange ist nicht so natürlich als die polyodische. – 27

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XX. Cap. Grund der Umkehrung oder der Versetzung des Grund-Tones überhaupt. – 28
XXI. Cap. Unterschied zwischen der polyodischen und der monodischen Umkehrung. – 30
XXII. Cap. Das Zeitmaaß ist in der Musik von großer Kraft. – 32
XXIII. Cap. Erklärung der monodischen Art der Ausbildung eines Gesange– S. 35
XXIV. Cap. Erklärung der polyodischen Art der Ausbildung eines Gesange– S. 37
XXV. Cap. Was Melodie und was Harm. in der Musik sey. – 42
XXVI. Cap. Wie sich die Melodie und die Harmonie, in Ansehung der Zeugung und des Ursprunges, gegeneinander verhalten. – 44
XXVII. Cap. Der Fortgang der zusammengesetzten Harmonie ist beständig, und von der Natur selbst fest gesetzet. – 47
XXVIII. Cap. Warum wir den Fortgang der singbaren Stufen von Natur treffen. – 48
XXIX. Cap. Erfahrungen in dem, was die Erzeugung des Gesanges, aus der vorher bestimmten Harmonie, anbelangt. – 51
XXX. Cap. Einige aus der Abhänglichkeit des natürlichen Gesanges fließende Schluß-Folgerungen. – 54
XXXI. Cap. Ein allgemeiner Haupt-Satz. – 57
XXXII. Cap. Erläuterung des Haupt-Satzes durch melodische Beyspiele. – 58
XXXIII. Cap. Fortsetzung der Erläuterung des Haupt-Satzes durch melodische Beyspiele. – 63
XXXIV. Cap. Die Melodie unterhält unsere Aufmercksamkeit durch die Neuheit der Accorde. – 67
XXXV. Cap. Erläuterung des Haupt-Satzes durch monodische Beyspiele. – 71
XXXVI. Cap. Die Effecte des monodischen Verfahrens, in Absicht auf den Mangel genugsamer Mannigfaltigkeit der Harmonie, betrachtet. – 72
XXXVII. Cap. Die Harmonie hat ihren Grund in der Seele. – 77

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XXXVIII. Cap. Fortgesetzte Betrachtungen über die Unvollkommenheit der Monodie, in Ansehung des Mangels der Mannigfaltigkeit der Harmonie. – 79
XXXIX. Cap. Einem Einwurfe wider das polyodische Verfahren wird begegnet. – 85
XL. Cap. Monodie in Absehen auf die fehlerhafte Mannigfaltigkeit der Harmonie betrachtet. – 91
XLI. Cap. Fortsetzung der Betrachtungen der fehlerhaften Mannigfaltigkeit der Harmonie der Monodie. – 96
XLII. Cap. Die Musik begnüget sich nicht blos, das allgemeine Urbild der Musik, die natürlichen Fortschreitungen der Harmonie, nachzuahmen. – 99
XLIII. Cap. Die Musik bedienet sich der Verschiedenheit der Harmonie also, daß dadurch gewisse Neigungen und Empfindungen abgebildet und erreget werden. – 101
XLIV. Cap. Die unterschiedlichen Effecte des mon. und des pol. Verfahrens, in Absehen auf die Nachahmung einer Leidenschaft, oder eines natürlichen Gegenstandes betrachtet. – 102
XLV. Cap. Fortgesetzte Betrachtung der Unvollkommenheit der Monodie, in Ansehung der Abbildung eines nachzuahmenden Gegenstandes. – S. 107
XLVI. Cap. Schwierigkeit der Melodie. – 109
XLVII. Cap. Die Melodie ist um desto schöner, je mehr sie nur um eines solchen Fortganges der Grundklänge willen ist, der sich für die besonderen Umstände schickt. – 111
XLVIII. Cap. Die Monodie unterbricht zum öftern, die aus dem guten Verhalte, der unterschiedlichen Theile, zu dem Ganzen einer Zusammensetzung, entstehende Einheit der Uebereinstimmung. – 115
XLIX. Cap. Vergleichung der aus dem einen und dem andern Verfahren fließenden unterschiedlichen Eigenschaften. – 122
L. Cap. Nur die Ausdrücke der Melodie sind allein bestimmt und gewiß. – 124

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LI. Cap. Die Melodie ist allein einfältig und natürlich. – 127
LII. Cap. Nur die Melodie ist von den gehörigen Nachdrucke. – 134
LIII. Cap. Wie die Melodie und die Monodie sich des Rhythmus bedienen. – 140
LIV. Cap. Von der Kraft des Rhythmus. – 144
LV. Cap. Schlußfolgerungen, so aus den monodischen Verfahren zu ziehen. – 145
LVI. Cap. Kennzeichen der wahren Melodie. – 149
LVII. Cap. Ursachen der Einführung der Monodie. – ibid.
LVIII. Der Zusammenklang ist schon in den ältesten Zeiten bekannt gewesen. – 152
LIX. Cap. Wahre Ursachen der Einführung der Monodie. – 154
LX. Cap. Widerlegung der angegebenen Ursachen. – 158
LXI. Cap. Die Monodie ist eine Ursache der geringeren Wirkung der heutigen Musik, in Vergleichung derjenigen der alten Zeiten. – 162
LXII. Cap. Allgemeine Anmerkungen über die Mittel die Monodie zu vermeiden. – 164
LXIII. Cap. Die unterschiedlichen Wirkungen so von der Anwendung dieser Mittel zu erwarten stehen. – 169

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Das X. Capitel.
Von den drey verschiedenen Haupt-Setz- oder Schreib-Arten in der Musik.

Nach den verschiedenen Gegenständen dieser Leidenschaften, welche folglich den Ausdruck derselben, auf verschiene Art, modifiviren, haben die Componisten die musikalische Schreib-Art, willkührlich in drey Classen eingetheilet, nemlich in den Kirchen- den Kammer- und Theatral-Styl.

Da eine jede Composition, oder Zusammensetzung, in Ansehung der Einfachheit oder der Vielfachheit der unterschiedlichen Theile, aus welchen dieselbe besteht, in vielerley Graden, verschieden seyn kan; da bald mehr, oder weniger Maaß in der zeit und Dauer einer Zusammensetzung überhaupt, und mehr oder weniger ordentliche Abtheilungen in den einzelnen Theilen besonders statt findet; da bald mehr oder weniger Verschiedenheit, in dem Gange, und in der Bewegung der unterschiedenen Zusammenstimmungen überhaupt, oder in einigen absonderlichen Theilen derselben besonders, herrschen kan; so entspringen auch aus der Beobachtung eines, oder mehrerer dieser Stücke zugleich, die unterschiedlichen Arten und Gattungen der verschiedenen Musik-Stücke.

Das XI. Capitel.

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