Joseph Riepel:
»Anfangsgründe zur musicalischen Setzkunst«,
Erstes Capitel: De Rhythmopoeïa, oder von der Tactordnung

(Regensburg und Wien, Emerich Felix Bader, 1752)
Durchsuchbarer Volltext nach dem Erstdruck
(Vorlage: ; transkribiert von Georg Thoma mit KI-Unterstützung; Kritischer Bericht)

Anfangsgründe

zur

musicalischen

Setzkunst:

Nicht zwar

nach alt-mathematischer Einbildungs-Art

der Zirkel-Harmonisten,

Sondern

durchgehends mit sichtbaren Exempeln

abgefasset.

Erstes Capitel

De

RHYTHMOPOEÏA,

Oder

von der

Tactordnung.

Zu etwa beliebigem Nutzen

herausgegeben

von

Joseph Riepel.

NB. Die eingehenden musicalischen Leser werden ersucht, erstlich zum wenigsten das Post-Scriptum des folgenden Schreibens an des Verfassers guten Freund, anzusehen. Welches mit P.S. abgesondert stehet.

[Zierleiste, rein dekorativ, nicht mittranskribiert.]

Regensburg und Wien,

im Emerich Felix Baders Buchladen, 1752.

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[PDF-S. 2: unbedruckte Rückseite des Titelblatts, mit schwachem, seitenverkehrtem Abklatsch des Titeltextes von der gegenüberliegenden Seite; kein eigener Drucktext.]

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Antwortschreiben des Verfaſſers, welches er vor 5 Wochen an einen seiner guten Freunde abschickte.

Lieber Bruder!

Du erwehnest abermal, ich soll die Anfangsgründe drucken lassen, welche ich vor einigen Monaten dem Discantisten in Monsberg bey meinem übrigen Geschäfte glatterdings aufgesetzet habe. Ich fürchte aber die Tadler, nämlich diejenigen Federfechter, welche nicht wissen, was Composition sey, und doch im Stande sind, die prächtigsten Bücher darüber zu schreiben. Mein! hast du in dem ganzen Folianten, den ich dir neulich überschicket, sonst was gefunden, als eitel Pralereyen, und giebt es nicht heute noch leider gar viel dergleichen Schriftsteller in Folio, ja derer, die noch weit ärger sind? Wenn diese sich über die bewährtesten Scribenten und über Compositionen berühmtester Meister aufhalten, wie würden sie erst mit mir verfahren? Meine uneigennützige Aufrichtigkeit könnte mir vielleicht theuer genug zu stehen kommen.

Du kannst dessen eine kleine Gleichniß haben von dem, was mir nur erst die vorige Woche mit einem solchen Wohlredner, nämlich mit dem Herrn Schulmeister in Urbsstadt, mündlich begegnete. Dieser hieß mich, obwohl er kaum um 5 oder 6 Jahre älter ist als ich, einen neugebackenen Componisten hin den andern her; und dieses aus Ursache, weil ich dem Discantisten nicht vorher die geheimnißvollen Männer erkläret habe, z. E. den Pythagoras, den Boethius, den Aretinus und bey nahe noch 50 andere alte und neuere, die er in einem Athem herzählete. Ich konnte den guten Mann um so weniger hinwieder altgebacken schelten, weil ich in meinen Anfangsgründen durchgehends uralte und in der Natur selbst gegründete Regeln (nur nach einer mir allein beliebigen und ganz einfältigen Art) vorgetragen habe.

Er fuhr weiter fort und sprach: Man sollte von rechtswegen erstlich die Mathematick verstehen; er selbst hätte studirt, denn er verstünde die lateinische Sprache; er wäre ein Theoreticus, und in der Noth ein Practicus. Lieber! da dachte ich heimlich: Warum nicht gar ein Adeptus, gleichwie sich die armen Goldmacher zu nennen pflegen? denn ich wußte wohl, wo er hinaus wollte. Allein meinem Meister der Geometrie ist bekannt, daß ich auf meinem Monochordon mit dem Zirkel manchmal Zeit und Stunden zubrachte, um (insonderheit mit Beyhülfe des Gehöres) das Clavier endlich rein stimmen zu lernen. Der Herr Schulmeister packte mich aber noch heftiger an; und indem nun meine Schamröthe bey den Umstehenden, welche alle vermuthlich seine Landsleute waren, mehr Lachen als Mitleiden erweckte, so verleitete mich ich weiß nicht was für eine innerliche Wallung, ihn endlich nachdrücklich zu fragen: Ob denn zur Composition nicht mehr Theorie erfodert werde, als zur Berechnung der so genannten Temperatur? In solcher Verwirrung gerieth ich auch auf die Frage: Warum man oft zwey oder mehr verbotene Quinten oder Octaven setzen dörfe; auch, warum man solche zu setzen oft so gar gezwungen sey? Anbey, warum die Quart dermalen von gesunden Ohren nicht mehr für eine Consonanz erkennet werde, da doch ihre Verhältnißzahlen: 3:4. näher bey der Einheit seyen, als der Terzen: 4:5, 5:6. und der Sexten ihre: 3:5, 5:8? Es heiße doch, sagte ich: quo majores termini cujusdam proportionis, quoque remotiores sunt ab unitate, suo principio, eo imperfectiora erunt intervalla inde exorta; & è contra. Eben daher fragte ich auch: wie dann derjenige geheißen, so zwey oder mehr Octaven und Quinten in gleicher Bewegung nacheinander zu setzen verboten habe? Ich versicherte ihn hingegen, daß es kein Mathematicus gewesen sey, weil mir derer unlängst einer vertrauete, daß, wofern er die Composition verstünde, er alle musicalische Stücke mit nichts als Octaven und Quinten anfüllen wollte, und zwar darumen, weil selbe, ihren Verhältnissen nach, die allervollkommensten wären.

Hierauf konnte mir der Herr Schulmeister in der Geschwindigkeit weiter nichts antworten, als: Es habe das Wort Mathematick vielleicht verschiedene Bedeutungen. Nun bey dieser Gelegenheit wollte ich tiefer in die Materie dringen. Ich stellte ihm sodann erstlich ganz leise vor, daß sich das Zanken für harmonisch gebohrne Leute gar nicht schicke, u. s. w. Allein alles umsonst; der Mann wurde hierauf nur noch hitziger; er rufte wohl zehenmal hintereinander wider mich auf: nomen & omen habes! nomen & omen habes! Ich schäme mich, dir alles ausführlich zu schreiben, vielweniger darf ich auf den ungehobelten Abschied denken, der mir zuletzt noch auf die Reise mitgegeben wurde. Am mehresten aber schmerzet mich, daß der elende Schmierer der Schulmeister in Monsberg nit ihm unter der Decke stecket, welches sein Vetter der Hans-Michel am Montage hier frey bekennete. Bruder erwege nun! das ist der Dank für die Bemühung, so ich mit dem Discantisten gehabt habe. Es ist zwar die Tugend ihre selbst eigene Belohnung.

In Erwegung dessen sich seitdem meine närrische Galle doch ein wenig geleget. Deine angenehme Zeilen aber haben mich vollkommen aufgemuntert. Du schreibst, es wäre nicht zu begreifen, wie der Discantist nur mit etwan zehen Capiteln oder Vorlesungen gar so weit habe kommen können; denn er wäre eher mit 4 oder 5 guten Concerten fertig, als sein Herr mit einem einzigen schlechten. Er mache auch bereits so artige Fugen und Kirchenstücke, daß man, in Ansehung seines Alters, sich allerdings darüber verwundern müsse; und, ich solle doch nicht böse werden, es gefielen dir seine Gedanken schon weit besser, als die meinigen. Wehrter Freund, ich weiß es. Der Blitzjung ist wohl recht zur Musick gebohren.

Mit kurzem, weißt was, ich widme dir das ganze Werk; weil du glaubst, es könne mehrern damit gedienet seyn, und du wolltest deswegen noch mit einem zweyten Herrn Buchhändler reden; indem der erste die Kühnheit hatte, dir ins Gesicht zu sagen: Sie würden mit dergleichen Sudelschriften gar zu oft angeführet, so daß die Gelehrten (als ihre sichern Lastträger) demnach über Hals über Kopf zu thun hätten, ihnen den Schaden ersetzen zu helfen. Wenn du solchemnach dich selbst und zwar recht ernstlich darum annehmen willst, um es nur bald im Drucke zu sehen, so ist es mir um so viel lieber; massen ich solchergestalt nicht just zeige, als hätte ich eine Freude daran. Hier hast du also das erste Capitel; die übrigen will ich noch ein wenig ausflicken, und dir nach und nach übersenden. Du wirst in einem oder andern nicht ohne Herzbrechen lesen, wie sehr mich die zwey Herren Schulmeister und der Herr Chorregent oder dermalige Titular-Capellmeister in Vallerthal bey allen öffentlich zu verschwärzen und den Discantisten von meiner Unterweisung abzuhalten gesuchet haben. Inzwischen wirst du, als ein treflicher Poet, vielleicht Verse und Lobsprüche darüber verfertigen wollen, um meine Arbeit für vollkommen auszugeben: gleichwie man es am Anfange vieler musicalischen Bücher siehet; allein ich will dirs nicht rathen, denn diese drey feine Herren könnten demnach bald sagen, wir verstünden einer so wenig als der andere. Ich will nicht einmal eine Vorrede daben haben. Zur Aufschrift aber ist meines Erachtens das Wort Anfangsgründe hinlänglich. Sonst könnte sie auch ungefehr so lauten: A B C für diejenigen, welche verlangen die Setzeregeln einzusehen, und nicht für die, so Gesetze vorzuschreiben wissen. Mein Name kann ganz untenher mit kleinen Buchstaben beygefüget werden, gleichsam als wenn es aus Demuth oder von ungefehr wider meinen Willen geschehen wäre. Dafern aber auf dem ersten Blatt meine Figur (Portrait) zu sehen stünde, so würden die Leute gleich errathen, wieviel es geschlagen habe. Uebrigens weiß ich, daß du von allem dem, was ich dir hierinnen offenherzig anvertraue, verschwiegen wirst seyn, gleichwie ich hingegen jederzeit bin

Dein ganz ergebener Bruder.

P S. Der beyläufig um 1 Zwölftheil mehr verstehet als ein noch ganz roher Anfänger, dem kannst du rathen, er solle die gar zu läppische Anfangsbeschreibung der nichtswürdigen Menuets nicht anschauen, sondern nur gleich drüben auf der 23 Seite zu lesen anfangen von der Tactordnung insbesondere. Da wird er hin und wieder gewiß was finden, so ihm in seinen Kram tauget. Die folgenden Capitel werden ihn ohnedieß schon mehr nachsuchen und schreiben lehren, wenn er will. Lebe wohl.

[Zierleiste, rein dekorativ, nicht mittranskribiert.]

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[Kopf-Zierleiste, rein dekorativ, nicht mittranskribiert.]

Erstes Capitel, Von der Tactordnung.

[1]

Discantista. Ein Herr der Herr Schulmeister in Monsberg läßt den Herrn freundlich grüssen und ersuchen, er möchte mir ein wenig was weisen in der Composition.

Præceptor. Es freuet mich, daß der Herr Schulmeister so viel Vertrauen zu mir hat.

Disc. Er kann, so viel ich weiß, den Herrn sehr wohl leiden.

Præc. Ich bin ihm dafür verbunden. Allein die vielen Ceremonien könnten uns vielleicht nur hindern. Ich kann das Herrnwort von Geburt aus nicht wohl vertragen. Wenn es beliebet, so wollen wir einer zum andern Du sagen.

Disc. Von Herzen gern; so weiß ich daß es aufrichtig zugehet. Hier hat mir mein Herr etliche Bogen Papier mitgeben, damit du mir die sammentlichen Regeln darauf schreiben könnest.

Præc. Alle Compositionsregeln in etliche Bogen Papier einzuschliessen, ist in Betrachtung des unerschöpflichen Meers der Musik weniger möglich, als die Donau hier durch den engen Springbrunnen zu leiten.[2]

Disc. Mein Herr sagt aber, ich soll trachten mit dir bald fertig zu werden; er wolle hernach selbst mich in die Cur nehmen, und einen ganzen Mann aus mir machen.

Præc. Das glaube ich. Ich kenne gar viele Herren Schulmeister, welche manchem vermeinten Capellmeister, mir aber allezeit, zu rathen könnten aufgeben. Es wird ja hoffentlich dein Herr nicht just der schlechteste davon seyn. Allein, das sage ich dir, in 2. oder 3. Tagen werden wir mit unserer Schreiberey nicht fertig; zumal da ich ohnehin nicht Zeit habe auf eine kurz abgefaßte Deutlichkeit zu sehen. Ich will sodann bald gerad, bald krumm, und von allen diesen Regeln nur etwas weniges: von diesem Wenigen aber lieber weitläuftig schreiben, als gar nichts. Kurz: in 14. Tagen sollst du von mir lernen, was ich in mehr dann 14. Jahren von andern erlernet habe; NB. so fern du nur alles wohl fassest. Nun sage mir, hast du gute Einfälle und Gedanken im Kopfe, um solche zu Papiere zu bringen.

Disc. Ach ja, wenn ich nur den Baß darzu machen könnte.

Præc. Das sollst du in einem einzigen Tage von mir lernen. Jedoch will ich erstlich wissen, ob du eine hinlängliche Erkenntniß hast von der ordentlichen Eintheilung des Gesanges. Denn wer Häuser bauen will, muß die Materialien dazu haben.

Disc. Ich will also geschwind etliche Französische Tänze, oder sogenannte Menuets aufsetzen, um dir meine Fertigkeit zu zeigen.

Præc. Es ist zwar keine grosse Ehre, Menuets zu componiren, sondern eines theils wohl gar gewissenhaft. Da aber ein Menuet, der Ausführung nach, nichts anders ist als ein Concert, eine Arie, oder Simfonie; welches du in etlichen Tagen ganz klar sehen wirst; also wollen wir immer ganz klein und verächtlich damit anfangen, um nur bloß was grösseres und lobwürdigeres daraus zu erlangen.

Disc. Nach meinem Erachten ist auf der Welt nichts leichter zu componiren als ein Menuet; ja ich getrauete mir sogar ein ganzes Dutzend nacheinander herzuschreiben. Siehe nur zum Exempel einen in C.

Notenbeyspiel

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Notenbeyspiel

Die Ziffer habe ich deswegen unter die Tacte gesetzet, damit du leichter darauf zeigen könnest, wenn wider alles Vermuthen, etwas gefehlet sollte seyn. Ich will mich zwar nicht rühmen.

Præc. Himmel! du kennest ja noch nicht einmal die Noten von einander. Von diesem Menuet, wenn ich ihn so nennen darf, nehme ich etliche singende oder cantable Tacte aus; übrigens mag er gefallen wem er will; ich meines Orts gebe dir keine gute Pfeife Knaster dafür.

Disc. Das hätte ich mir nicht vorgestellet. Aber die Ursache?

Præc. Numero 1. sage ich, daß gerade Tacte in allen Compositionen dem Gehöre angenehm sind, und sonderlich zu einem Men.[3] erfordert werden. Du aber hast in dem zweyten Theile ungerade, nämlich 13. Tacte gemacht.

Numero 2. soll ein jeder Theil insgemein nicht mehr dann 8. Tacte enthalten. Also hast du nicht zwar in dem ersten, sondern im zweyten Theile gefehlet; weil du vielleicht auch noch nicht weißt, wie man einen Zweyer, Dreyer und Vierer unterscheiden könne. Dahero hast du

Num. 3. den Anfang, oder das Thema mit kennbaren Zweyern oder Vierern nicht wohl abgesondert und deutlich genug gemacht.

Num. 4. sehe ich theils unbewegliche, theils zuviel stuffenweise laufende Tacte, wo hingegen zu einem Men. bis zur Cadenz stets vollkommen- oder unvollkommen erhebende Noten verlanget werden.

Num. 5. sehe ich in dem zweyten Theile keinen einzigen Tact, welcher mit denen von dem ersten Theile eine Aehnlichkeit hat; darauf man doch hauptsächlich sehen muß, weil zu einem Men. eben sowohl ein ganzer Zusammenhang erfordert wird, als zu einem Concert, einer Arie, Simfonie, u. s. f. Mithin wollte ich, wegen so verschiedener Arten der Noten und Tacte, aus dem deinigen leicht ein halbes Dutzend machen.

Num. 6. hat mir einst ein wohlversuchter Naturkündiger vertraut, daß ein Men. ohne vieles Nachsinnen wohl gerathen und ganz unfehlbar rechtschaffen erheben müsse, wenn er in dem ersten Theile steige, und in dem zweyten wieder falle. Bey dem deinigen sehe ich aber just das Widerspiel.

Num. 7. verlangen ausbündige Menuet-Kenner, man solle den 4ten und 5ten Tact, absonderlich im ersten Theile, wohl unterscheiden, das ist: wenn der 4te Tact vollkommen erhebende Noten hat, so soll der 5te in unvollkommenen erhebenden bestehen; oder umgekehrt.

Disc. Das ist entsetzlich! Wenn ich nur geschwind wüßte, was ein Zweyer, Dreyer, eine erhebende oder laufende Note sey, ich wollte den Augenblick zu ändern anfangen.

Præc. Ein Zweyer[4] bestehet in 2. Tacten, welche andern darauf folgenden 2. Tacten der Bewegung nach, meistentheils ähnlich sind, zum Ex.

Notenbeyspiel

Es darf aber auch bey solchen zwey beysammen stehenden Zweyern die Bewegung nicht just in allen Noten gleich seyn; sondern man kann auch setzen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Nun ein Dreyer[5] bestehet aus 3. dergleichen Tacten, z. Ex.

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Notenbeyspiel

Disc. Das verstehe ich nun sehr wohl; denn man kann es sehen und hören. Allein welche sind besser zu einem Men., die Zweyer oder Dreyer?

Præc. Die Zweyer. Denn die Dreyer sind gar nichts nütze dazu. Ich will dir aber heut noch sagen, wann, und wo diese gut angebracht können werden.

Disc. Also kan man ja aus einem Zweyer einen Dreyer, oder aus diesem jenen machen, wenn man z. Ex. bald einen Tact abschneidet, und bald einen hinzu thut.

Præc. Auf alle Weise. Nun ein Vierer[6] bestehet aus 4. Tacten, z. Ex.

Notenbeyspiel

Ein solcher Vierer kann in einem Men. allezeit Sitz und Stimme haben.

Disc. Das glaube ich, weil er von 2. Zweyern gar wenig unterschieden ist, z. Ex.

Notenbeyspiel

Præc. Wenn nicht noch ein Vierer nachfolgete, so wollte ich deine Meinung zur Noth endlich noch gelten lassen. Jedennoch würden sich die Zweyer auf folgende Art deutlicher ausnehmen, als die Deinigen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Disc. Es ist wahr; woher kommt es aber?

Præc. Daher, weil hier der andere Zweyer um einen Ton höher zu stehen kommt. Deine Zweyer hingegen halten sich beide in dem Tone F auf.

Disc. Das verstehe ich nun auch. Aber sage mir, welche besser sind, die Zweyer oder Vierer.

Præc. Ich weiß zwischen beyden keinen Unterscheid.

Disc. Aber ich wundere mich, daß mir mein Herr von so nützlich als nothwendigen Dingen niemals was gesagt hat. Vielleicht weiß er nicht einmal, was ein Zweyer, Dreyer und Vierer sey.

Præc. Sey still! das wäre erstaunlich. Wie könnte er sich denn für einen Componisten ausgeben? Es ist ja dieses, nämlich die Tactordnung vollkommen innen zu haben, unter andern ein Haupttheil der Composition aller musicalischen Compositionen; und werden weder die Fugenarten gänzlich davon ausgeschlossen. Wie wir weiterhin sehen werden.[7]

Disc. Also lassen wirs indessen gehen. Jzt will ich meinen Men. erstlich über Numero I. verbessern und nur in dem zweyten Theile den dritten Tact ✝ wegschneiden, damit aus dem Dreyer ein Zweyer werde, z. Ex.

Menuet.

Notenbeyspiel

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Und also sind hier in dem zweyten Theile gerad 12. Tacte.

Und das war Numero I. verbessert.

Sage mir geschwind ein wenig, was stuffenweise lauffende Noten seyen?

Præc. Sie sind folgende, z. Ex.

Notenbeyspiel

Weil diese nacheinander fortgehen oder fortlaufen, ohne über eine Linie oder ein Zwischenraum[8] zu springen.

Hingegen sprungweis laufende sind, z. Ex.

Notenbeyspiel

weil sie theils auf, theils über die Linien springen.

Disc. Wohlan dann! du hast in Numero 2. gemeldet, es sollen in einem jeden Theile nur 8. Tacte enthalten seyn; mithin lasse ich die zuviel stuffenweise laufenden Noten, nämlich den 5. 6. 7. und 8ten Tact, z. Ex. im zweyten Theile:

Notenbeyspiel

gar weg, und mache aus dem 9. und 10ten Tacte Viertelnoten, welche nun in den Zahlen 5. ✝ 6. bestehen, z. Ex.

Menuet.

Notenbeyspiel

In allem just 16. Tacte.

Und das war Numero 2. verbessert.

Aber warum sind die stuffenweis laufenden Noten nicht gut?

Præc. O ja doch, sie sind gut, und zwar in einem Allegro assai, oder Tempo presto, und prestissimo einer Symphonie, eines Concerts, oder Solo, und so weiter, unter allen die besten Noten, weil sie wegen ihrer flüssenden Leichtigkeit das geschwinde Laufen des Bogenstriches keineswegs verhindern; ja sie werden von Sängern sowohl als von Instrumentisten geliebet; die hinauf laufenden aber mehr, als die herab laufenden, z. Ex.

Notenbeyspiel

Disc. Und vielleicht auch leichter für Flauten, Oboen, Horn und Trompeten?

Præc. Freylich; für diese sonderbar.

Disc. Dieß Wunder der Natur muß ich mir wohl mercken; denn ich glaube, daß sich im Componiren viel hundert Ueberlegungen drüber machen lassen.

Præc. Zu einem Menuet aber werden stets vollkommen erhebende, nämlich Viertelnoten erfordert, z. Ex.

Notenbeyspiel

welche man auch variiren oder verändern kann, z. Ex.

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Notenbeyspiel

Allein folgende Veränderung, wo die ganze Viertelnote zuletzt stehet, kann ich in einem Men. kaum leiden, z. Ex.

Notenbeyspiel

Disc. Also wäre es auf folgende Art vielleicht auch nicht gut? z. Ex.

Notenbeyspiel

Præc. Ein einziger solcher ✝ Tact kann endlich mit durchschlupfen. Die letzten 4. Täcte wollte ich in deinem Men. auch gern stehen haben lassen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Disc. Und warum just diese?

Præc. Darum, weil der Men. gleichsam trachtet zu seiner Cadenz oder Ruhe zu gelangen, gleich wie ein Hungeriger von seiner Arbeit etwan zum Abendessen, oder – – Du sollst nicht lachen; denn diese und tausend andere Gleichnissen muß sich, sonderlich ein Anfänger, vorstellen, sofern er seine Composition nicht mit leeren, einfältigen und papirenen Noten anfüllen will.

Disc. Nimm mir nicht übel; ich will nun lieber über Num. 3. den Men. durchgehends mit deutlichen Zweyern und Vierern besetzen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Und das war Num. 3.

Præc. Bevor du anfängst zu Num. 4. muß ich dir sagen, daß eine unbewegliche Note in der Mitte eines so kurzen oder tanzmäßigen Men. niemals, sondern nur am Ende des ersten und zweyten Theils gebraucht wird. Man kann aber eine solche unbewegliche oder todte Note lebendig machen auf folgende Art, z. Ex.

Notenbeyspiel

Unvollkommen erhebend sind, z. Ex.

Notenbeyspiel

Nun zwey solche Täcte sind in einem Men. nichts nütze; daher setzt man allezeit einen vollkommen erhebenden hinten oder vorne dazu, z. Ex.

Notenbeyspiel

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Disc. Gut; jetzo will ich den Men. abermal ändern, und die 5te ✝ Note im ersten Theile auch ein wenig lebendig machen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Und das ware Num. 4.

Ich weiß nun, daß ich durchgehends (die Endnoten beyder Theile ausgenommen) vollkommen erhebende setzen darf, z. Ex.

Notenbeyspiel

Præc. Dieser ist lebhafter; der vorige hingegen cantabler, welches cantabile die unvollkommen erhebenden verursachen.

Disc. Das weiß ich schon; ich habe nur fragen wollen, ob ich auch punctirte Noten machen dörfe, z. E.

Notenbeyspiel

Præc. Nein; in einem Men. scheinen mir diese gar nicht gut zu seyn; wenn nicht etwan für einen hinckenden Tanzmeister. Folgende gefielen mir um zwey Drittel besser, z. Ex.

Notenbeyspiel

Disc. Gut. Ich will mich darnach richten. Und über Num. 5. glaube ich, daß in dem Men. welchen ich hievor verbessert habe, genug Aehnlichkeit sey. Ich will den Men. noch einmal hersetzen und die Aehnlichkeit mit dem Zeichen ✝ andeuten, z. Ex.

Notenbeyspiel

Und das war Num. 5.

Merke wohl auf! Im ersten Theile gehen die Noten ✝ herab, in dem zweyten hinauf, und so glaube ich, daß genug Aehnlichkeit oder Zusammenhang gehöret werde.

Præc. Wer hat dir das Ding gesagt? Horche, das Verkehren der Noten ✝ halten viele sogar für eine Zierlichkeit. Man bedienet sich in andern Compositionen gar oft dieses Mittels; ja man ist bisweilen dazu gezwungen. Jedoch hätte ich es bey deinem Men. hier vielleicht nicht sogleich wahrgenommen, wenn ich das Erklärungszeichen ✝ nicht dabey gesehen hätte.

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Disc. Also hätte ich ja wohl machen können, z. Ex.

Notenbeyspiel

Notenbeyspiel

Notenbeyspiel

Wenn ich Zeit hätte, wollte ich noch mehr Aehnlichkeit herausbringen; allein ich will dich lieber über Num. 6. fragen, was Steigen und Fallen sey?

Præc. Dieß ist ja gar leicht zu begreifen?

Notenbeyspiel

Disc. Gut; ich will meinen Men. gleich steigen und fallen lassen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Und das war Num. 6.

Præc. Warte ein wenig! Du bist gar zu hoch gestiegen, ich will sagen, der Men. ist auf solche Art zu jung, sintemal der Gesang das Ernsthafte und Mannbare dadurch verlieret.

Disc. Ich darf ja nur tiefer anfangen, z. Ex.

Notenbeyspiel

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Præc. Das ist sehr gut. Jedoch braucht man eben nicht mit allen Zweyern zu steigen oder zu fallen; ja es binden sich die Cadenzen fast gar nicht an diese Regel; indem oft die Cadenz des zweyten Theils für sich ganz allein das Fallen: gleich wie im ersten Theile eine einzige Note ✝ das Steigen ausdrücken kann, z. Ex.

Notenbeyspiel

Disc. Verzeihe mir; er gefällt mir doch schon nicht sowohl, als ein ordentlich steigend- und fallender. Ich hoffe bessere zu machen.

Præc. Über Num. 7. will ich dir gleich selbst die unvollkommen- und vollkommen erhebenden im 4. und 5ten Tacte mit größern Ziffern andeuten, z. Ex.

Notenbeyspiel

Notenbeyspiel

Disc. Was sagt aber der zweyte Theil dazu?

Præc. Er könnte dieses eben auch beobachten, wenn er wollte; allein er ist oft so ausschweifend, daß er gar keiner Regel folgen will. Zudem so kann der erste Theil einen zuhörenden Liebhaber auf einmal so sehr einnehmen, daß er sich nicht viel um den zweyten Theil bekümmert, weil dieser ohnehin nur als ein Beschluß des ersten Theils anzusehen ist.

Disc. Ich will doch einen aufsetzen, und die nämlichen Bewegungen im zweyten Theile ebenfalls anbringen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Notenbeyspiel

Und das war endlich Num. 7.

Also darf ich mich nun rühmen, daß ich einen ordentlichen Menuet zu setzen weiß?

Præc. Du mußt dich niemals rühmen[9]. Die Regeln allein machen es auch nicht aus. Dann wenn ein anderer einen Men. componirte, dessen Einrichtung auch schon nicht so ordentlich, der Gesang[10] aber desto leb<S. 9 / PDF 13>hafter wäre; so würde vielleicht ein solcher Men. bey den Liebhabern vielmal mehr Beyfall finden, als ein Deiniger mit allen zusammen gesuchten Regeln und Abmessungen.

Disc. Das weiß ich wohl, daß man allezeit und hauptsächlich auf einen guten Gesang muß sehen. Allein hat es denn unter andern mit dem Steigen und Fallen seine Richtigkeit?

Præc. Ja doch. Denn dergleichen steigende Menuets (sagte Num. 6to gedachter Naturforscher) sind unter allen die tauglichsten, das Gemüth des Zuhörers, und zuweilen die Beine selbst in Bewegung zu bringen. Welches ich künftig mit ein oder andern lebhaften Allegro einer Symphonie eben auch versuchen will. Durch solche Überlegung, ob ich nämlich in der Höhe, Mitte oder Tiefe anfangen soll, wird mir wenigstens geschwinder ein Thema oder Anfang beyfallen.

Disc. Diesen Vortheil will ich mir auch merken. Aber darf man denn in einem Men. gar nicht mehr als 16. Täcte machen?

Præc. Wer will dirs verbieten? Es kann ja ein sonderlicher Gedanken zuweilen wiederholet werden, oder es kann solchen Gedanken die Wiederholung selbst nachdrücklich und angenehm machen, gleich wie in allen andern Setzarten zu sehen. Welche Wiederholung von vielen bald ein schöner, ein spitzfindiger Einfall[11], ein herziger Gedanke, bald eine gute Clausel[12], oder wohl gar ein niedliches Clausel pflegt genennt zu werden.

Disc. Ich verstehe es; das will gleichsam so viel sagen, als wenn ich zu Hause ein wohlgeschmackes Extra-Speisel bekomme. Ich will es also versuchen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Præc. Ich kann deine Leckerbissen nicht verdauen; zuviel ist ungesund. Meine Meinung ist, daß, wenn in dem ersten Theile nichts wiederholet wird, die Wiederholung im zweyten Theile desto nachdrücklicher könne werden. Man muß auch mit guten Sachen niemals verschwenderisch seyn, sonder jederzeit suchen die Zuhörer beym Geschmack zu erhalten.

Disc. Das ist um soviel leichter. So darf ich ja die Clausel nur allein in dem zweyten Theile wiederholen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Notenbeyspiel

Ich habe die Clausel hier mit Fleiß ein wenig ändern wollen. Übrigens merke ich, daß, wenn man tausend Men. machet, das süße Wiederholungs-Clausel ✝ allezeit könne angebracht werden, z. Ex.

Notenbeyspiel

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Præc. Ich mache mir gar nichts daraus; wenn du nur mit denen zurecht kommest, welche in einem Men. nicht mehr als 16. Täcte leiden können.

Disc. Allein mein Herr sagte neulich, es müßten die Men. zu Kammermusiken ganz anders eingerichtet werden.

Præc. Dein Herr hätte lieber sagen sollen: Sie könnten bisweilen eine kleine Abänderung leiden. Ich hingegen denke, ein Men. müsse ein ordentlicher Men. verbleiben; wenn er anders sowol in- als außer der Kammer den Zuhörern als ein Men. gefallen soll. Denn ein anders ist Tempo di Minuetto.

Disc. Ich weiß wohl, daß die Dreyer zu dieser Schreibart nichts nütze sind. Allein ich will doch geschwind einen Men. setzen, und nur in dem zweyten Theile 2. Dreyer versuchen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Præc. Wer hat dir denn von Dreyern schon was gemeldet?

Disc. Ich habe mirs nur beynahe so eingebildet, und noch überdies abschnappende Noten dazu gesetzt, z. E.

Notenbeyspiel

welche zu Men. freylich nichts taugen; allein ein solcher Men. würde, nach 20. rechtschaffenen, endlich noch wohl zu einer Abwechslung dienen können, nämlich bey einer Kammermusik. Laß mich nur noch ein klein wenig gehen, jetzt will ich unbewegliche mit den übrigen Noten vermischen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Ich weiß, daß er zu wenig steiget; außerdem müßte er in die Kammer wohl recht gut seyn, denn er ist cantable. Nun will ich im zweyten Theile nach 2. Zweyern einen Vierer setzen, und zwar noch vor der Cadenz, z. Ex.

Notenbeyspiel

Præc. Der Vierer schickt sich just so hieher wie Faust auf ein Aug.

Disc. Sey still, jezt sollen lauter Vierer erscheinen, z. Ex.

Notenbeyspiel

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Præc. Dieser ist kaum um ein Haar besser als der vorige.

Disc. Nun wirst du was wunderliches sehen; ich will in dem ersten Theile einen Fünfer, und darauf einen Dreyer machen, im zweyten Theile aber just das Wiederspiel beobachten, damit dennoch 16. Täcte heraus kommen, gleich wie es alle Menuet-Kenner verlangen. Ich fange zugleich mit dem Aufstreiche an, z. Ex.

Notenbeyspiel

Und vielleicht noch tausend verschiedene dergleichen Arten.

Præc. Pfuy! Das ist eine ausländische und dem Gehöre nach, recht eine verwirrte Composition. Du darfst nur Violino secondo unten in der Octav dazu setzen, so kann vielleicht gar ein tartarischer Menuet daraus werden, z. Ex.

Notenbeyspiel

Disc. Dergleichen kurzweilige Abwechslungen können bisweilen auch einen oder andern Liebhaber finden. Man muß ja nicht allezeit ernsthaft und sauerköpfisch seyn. Übrigens erinnere ich mich, Men. und Trio gehört zu haben, worinn weder Zweyer, Dreyer noch Vierer u. s. weiter vernehmlich war; und zwar von einem berühmten Meister.

Præc. Glaube nur nicht, daß derjenige ein Meister könne genennet werden, welcher in seinen Compositionen weder Ordnung noch Deutlichkeit zeiget.

Disc. Also will ich einen ernsthaften Men. und zwar in einem jeden Theile 16. nemlich in allem 32. Täcte machen, z. Ex.

Notenbeyspiel

Præc. Höre auf, höre auf! Dergleichen überflüßige Wiederholungen dienen nur zum Verderben des Papiers. Ich will in dem Capitel von der Tonordnung dir zeigen, wie man Tempo di Minuetto von 32. Täcten setzen müsse. Hättest du hier nur glatterdings gemacht, wie ich dir am Anfange gerathen habe, nämlich mit 16. Täcten, z. Ex.

Notenbeyspiel

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Disc. Aber nimm mir nicht übel; ich darf mich ja künftig nicht just nach deinem Kopfe richten.

Præc. Du mußt dich auch nicht just nach dem Deinigen richten.

Disc. Das weiß ich wohl; denn es giebt andere viel Kopf viel Sinn, so daß man vielleicht für einen jeden anders componiren soll. Sage mir nur indessen beyläufig, was man bisweilen, außer der gemeinen hier beschriebenen Art, für Täcte und Noten zu Men. bey Kammermusiken brauchen könnte.

Præc. Alle die man in allen Compositionen siehet. Man pflegt mit unbeweglichen, mit verdoppelten, mit krumm und gerade laufenden, mit geschliffenen und gestoßenen Noten, mit Pausen hinten und vorne oder mit Bindungen das Papier auszuschmücken, z. Ex.

Notenbeyspiel

Notenbeyspiel

Notenbeyspiel

Notenbeyspiel

Oder mit 3. Stimmen[13]:

Notenbeyspiel

Wenn ich dir über alle Gattungen und Veränderungen sollte ausführliche Exempel aufschreiben, so würdest du vielleicht einen bespannten Karren haben müssen um solche nach Hause zu schleppen, ja die Exempel, so wir bisher gemacht haben, und alle die wir ins künftige machen werden, können auf verschiedene Art umgekehrt, will sagen, derer oft eins viel hundert, wo nicht bisweilen tausendmal mehr verändert werden als Bäume und Kräuter auf der Welt sind.

Disc. Warum schreibst du aber nicht bey einem jeden Exempel diese Erklärung darzu?

Præc. Da hätte ich viel zu schreiben. Wenn es aber beliebt, so will ich dir hinfüro solche wenige oder vielfältige Veränderungen allezeit mit dem Zeichen ⊙ zu verstehen geben. Nachdem wir nur erst mit dem zwey<S. 13 / PDF 17>ten Capitel, nämlich mit der Tonordnung, werden fertig seyn, werde ich dich ohnehin belehren, wie du in einem einzigen Tage mehr dann hundert Themata[14] wirst erfinden können.

Disc. Das will ich indessen mit größter Freude glauben. Sage mir nur jetzt noch ein wenig was anders. Du hast oben gemeldet, daß sich die Cadenzen nicht richten nach dem Steigen und Fallen, mithin wäre es ja einerley, entweder in der Tiefe, z. Ex.

Notenbeyspiel

Præc. Ohne Zweifel. Jedoch wollte ich diese hier angemerkten Terz-Cadenzen im ersten Theile lieber hören, als in dem zweyten.

Disc. Warum nennest du sie Terz-Cadenzen?

Præc. Darum, weil ihre letzte Note vor der End-Note mit dem Baß eine Terz ausmacht, sieh z. E.

Notenbeyspiel

Oder (indem ich die Terz und die Decima hier nur indessen[15] für einerley halte) in der Tiefe, z. E.

Notenbeyspiel

Viele nennen sie auch unvollkommene Cadenzen, und sagen, sie wären nicht im Stande, am Ende einer Musik das Gehör völlig in Ruhe zu setzen. Daher siehet man oft die vollkommene, oder Quint-Cadenz zuletzt noch daran gehängt, z. E.

Notenbeyspiel

Disc. Wenn also Quint- oder vollkommene Cadenzen genennet werden, z. E.

Notenbeyspiel

Warum sollen denn folgende unvollkommen seyn?

Notenbeyspiel

Præc. Du hast es ja schon gehört, weil sie ein ganzes musikalisches Stück nicht vollkommen zuschließen. Sie müssen auch gar oft nur als Mittelstimmen dienen, z. E.

<PDF 17>

<S. 14 / PDF 18>

Notenbeyspiel

Disc. Jetzt sehe ich auch zugleich mit offenen Augen, warum man eine die Quint-Cadenz, die andere aber die Terz-Cadenz nennet. Man darf nämlich nur ein wenig von dem G des Basses an hinauf nachzählen, so siehet man, daß das B dur, oder sogenannte H, in Violino secondo die dritte Note[16] ist, gleich wie das D in Violino primo die fünfte, oder die Quint.

Præc. Davon wollen wir ein andermal ausführlicher handlen. Inzwischen werden die unvollkommenen sehr oft als selbstständige Cadenzen, das ist, ohne Quint-Cadenz gesetzet. Was noch mehr ist, so werden sie von vielen Zuhörern, wenn sie nach einer oder mehr Quint-Cadenzen zu stehen kommen, in der Geschwindigkeit für vollkommener gehalten als diese. Sieh davon nur ein kleines Exempel:

Notenbeyspiel

Disc. Aufs wenigste dienen sie bisweilen zur Veränderung, sie mögen gleich in einem Tone seyn wo sie wollen, nicht wahr?

Præc. Just recht. Hier muß ich dir etwas sagen; merke, Cadenz heißt auf teutsch Fall[17], weil diese gleichsam zur End- oder Ruhe-Note herab fällt, z. E.

Notenbeyspiel

A ist hier die Cadenz-Note, und G die End-Note[18]. Dessen ungeachtet ist man gewohnt zu sagen: die Cadenz ist in G, u. s. w. Wir beyde wollen auch bey dieser Gewohnheit verbleiben.

Disc. Allein e und c gehören ja, weil sie fallen, eben auch zur Cadenz.

Præc. Sie gehören hier freylich darzu; aber nicht just als fallende. Denn die Cadenz könnte wohl auch auf folgende Art formiret seyn, z. E.

Notenbeyspiel

Die unvollkommenen Cadenz-Noten fallen wohl gar, so zu sagen, hinauf, z. E.

Notenbeyspiel

wovon, und zugleich von den Cadenzen des Fundaments oder Basses mit der Zeit ein mehrers.

Disc. Ich will geschwinde einen Men. sowohl im ersten als zweyten Theile, mit der Terz-Cadenz versuchen, z. E.

Notenbeyspiel

Præc. Wir wollen nun die Men. fahren lassen, und die Tactordnung ins besondere desto ernsthaffter anpacken.

Disc. Nur noch ein kleine Geduld! Mein Herr hat einst einen Krebsen-Menuet gemacht; ich verstehe nicht was das seyn soll.

Præc.

<PDF 18>

<S. 15 / PDF 19>

Dein Herr muß dazumal noch sehr jung gewesen seyn; denn man hat in der Composition weit andere und nützlichere Sachen zu suchen. Um aber deiner Neugierigkeit ein Genügen zu leisten, so sage ich, daß ein solcher Men. nichts anders sey, als eine Nachäffung der lateinischen Poeten, welche (ebenfalls nicht gar zu häufige) Verse[19] zu machen pflegen, die man von Buchstaben zu Buchstaben zurücke lesen kann. Es wurde einem Componisten (ich war just zugegen) ein solcher Vers[20] zugeschicket, um ihn seines Versprechens zu erinnern. Der Men. kann ungefehr so lauten, z. E.

Notenbeyspiel

Disc. Wo bleibt aber der zweyte Theil?

Præc. Hast es denn nicht verstanden? Man muß nach der Wiederholung in allen zwey Stimmen hinten anfangen, und von Note zu Note zurücke spielen, sodann werden die letzten die ersten, und die ersten die letzten seyn. Wenn du nur Achtung giebst, daß dir die Cadenz zu einem Anfange, der Anfang hingegen zu einer Cadenz diene, so kannst du eher zehen solche Men. als ein Poet einen einzigen von gedachten Versen, hinschreiben. Zugleich aber vermöge des Zeichens ☉.

Disc. Ich verstehe das Zeichen schon; allein es wird wohl dennoch erst damit vor sich gehen, nachdem ich das Capitel vom Baß werde gesehen und verstanden haben.

Præc. Wenn man aber gedachte Verse gar genau nachahmen wollte, so müßte es so seyn, z. E.

Notenbeyspiel

Dieß wäre aber nichts als eine ewige Wiederholung.

Disc. Ich bitte, schreibe nur noch ein bißgen was auf, denn ich möchte gern alles wissen, was zur Composition gehört.

Præc. Ich auch. Wenn du noch keine Nachahmung mit dem Basse kennest, so sieh dieses Trio[21] an, z. E.

Notenbeyspiel

Notenbeyspiel

Oder willst du den Baß vielleicht nur um 2. Viertel später nachfolgen lassen, z. E.

Notenbeyspiel

Notenbeyspiel

Man könnte den Baß auch wohl um 4. oder 5. Viertel hinten drein marschiren lassen, nämlich ☉.

Disc. Mein Herr machte auch was dergleichen, er hieß es aber Canon.

Præc. Ich denke aber, dieß sey von zweystimmigen Sachen zu hochmüthig gesprochen. Was ein Canon sey, will ich dir künftig mit 4. Stimmen zeigen. Übrigens wollte ich dir bey dieser Gelegenheit noch hundert andere kindische Erfindungen und Raritäten aufschreiben; allein wenn du dich mit dergleichen Spielwerken aufhalten solltest, so würde nicht viel aus dir werden. Befleiße dich lieber bey erster Gelegenheit über die bisherigen Exempel, mit allezeit vorgängiger Überlegung des ☉, etliche tausend gute Men. zu setzen.

Disc. Das werde ich nicht unterlassen. Ich möchte aber indessen nur gern ein klein wenig wissen, wie der Baß zu Men. gemacht werde.

Præc. Schon wieder was? Der Baß wird ja eben so dazu gemacht als wie zu allen andern Sachen; nur daß er mehr jung als ernsthaft muß seyn.

Disc. Was heißt das Jung?

Præc. Merke; zu einem Tutti, oder vollstimmigen Gesange wird ein alter und tiefer: zu einem Solo hingegen ein mehrentheils höherer Baß erfordert, gleichsam als wenn er die Stelle des Violino secondo vertreten sollte. Nun weil ein Men. gemeiniglich nur in einer einzigen Stimme bestehet, so kann er nicht anders angesehen werden als ein Solo; und vertritt der Baß die Stelle des Violino secondo, so muß er hie und da terzweise gehen. Mit einem Wort: die zwey Stimmen müssen, um der Gleichheit willen, immer nahe beysammen bleiben, doch nur in soweit das ernsthafte Ansehen des Basses hiedurch keinen allzugrossen Abbruch leidet. Viel laufende Achtelnoten sind daher nichts nütze dazu, weil ein solches Geläuf auch nicht allein mühsam zu spielen, sondern zum Erheben nicht minder untauglich ist. Ich will einen deinigen oben zusammengeflickten Men. versuchen, z. E.

Notenbeyspiel

Welcher Baß hier wegen soviel Terzen fast gar zu jung ist; und ob er zwar auf solche Art wegen seiner Höhe durchdringend, weil er dem Gesange, nemlich der Violine, stets an der Seite, auch heut zu Tage es sehr gewöhnlich ist, hohe Bässe zu setzen, so muß man dennoch damit behutsam seyn, weil viele, welche das Alter<S. 17 / PDF 21>thum verehren, immer behaupten wollen, er dörfe nur ins C, und selten ins D hinauf steigen. Sobald wir aber vom Basse handeln werden, will ich dir zeigen, daß die mehresten Herren Contra-Baßisten oder sogenannten Violonisten von rechtswegen schuldig seyen, bis ins F und G hinauf zu klettern, wenn es Zeit ist dazu. Inzwischen muß in der Musik stets eine Bewegung[22] vernommen werden, das ist: wenn eine oder zwey Stimmen ruhen, so müssen sich die übrigen rühren. Wider welche Regel viele Componisten[23] fehlen. Da ich aber hier nicht Gelegenheit habe, ausführlicher davon zu reden, so gib nur indessen ein wenig auf die folgenden Noten, und den darunter gesetzten Baß Achtung, z. E.

Notenbeyspiel

Disc. Ich verstehe es; wenn die Violine nur einen Augenblick ruhet, so bewegt sich der Baß gleich um ein Achtel; oder umgekehrt.

Præc. Allein zu Men. macht der Baß die Bewegung gemeiniglich nur mit Viertelnoten, z. Ex.

Notenbeyspiel

Disc. Ist auch gut; denn der Baß macht hier die unbeweglichen Noten doch ein wenig lebendig.

Præc. Weil aber der Geschmack[24] in der Musik immer das Vorrecht behauptet, so findet man bisweilen Gelegenheit, da man gar füglich von dieser sehr scharfen Regel abgehen kann. Ich will unter andern nur die Wiederholungs-Clausel des vorhergehenden Men. hieher setzen, du wirst hören, daß es nicht übel klingt, z. E.

Notenbeyspiel

und ☉, nämlich auf tausenderley Arten.

Disc.

<PDF 21>

<S. 18 / PDF 22>

Das Tausenderley wäre gar nicht zu sagen nöthig gewesen. Mein! ist es wahr? mein Herr sagte neulich, er habe gehört daß die Bratsche, obwohl sie nur als Mittelstimme zum Ausfüllen dienet, ihr eigenes flüssendes Cantabile für sich müsse haben, es mögen gleich die obern oder äussern Stimmen gehen wie sie wollen.

Præc. Dein Herr hat Recht. Denn wenn sie keinen ordentlichen und glatten Gang hat, so kann sie mehr verderben, als gut machen.

Disc. Und der Baß, fuhr er fort, müsse abermal ein anders und noch viel weitläuftigers Cantabile haben. Mithin könnte man ihm ja auch eine süsse Wiederholungs-Clausel angedeyen lassen.

Præc. Freylich. Sieh den vorigen Men. an, z. E.

Notenbeyspiel

Und die Bratsche[25] läßt man bey einer solchen Clausel gern in unisono mit dem Baß gehen.

Disc. Mir gefällt zugleich auch der Anfang des zweyten Theils, weil der Baß und die Violine mit der Bewegung hübsch abwechseln, z. E.

Notenbeyspiel

Præc. Da hast du zwar nicht Unrecht. Außer dem ist dieser Gang zu gemein, folglich nicht viel nütze. Merke wohl auf! den zweyten Tact davon nenne ich einen Absatz[27], gleich wie auch den vierten, z. E.

Notenbeyspiel

<PDF 22>

<S. 19 / PDF 23>

Der Baß macht allezeit (zu rechnen von dem Haupttone an) den Quartsprung dazu aus, z. E.

Notenbeyspiel

Diese zwey sogestalte Absätze kommen auch just auf den Schlag heraus, als wie das alte bekannte Liedlein im zweyten Theile lautet, z. E.

Notenbeyspiel

Daher werden sie von vielen (mit aller Hochachtung gesprochen) ein Schusterfleck genennet; weil sie nur etwan einem Anfänger dienen, welcher sonst keinen Gesang zu formiren weiß.

Disc. So muß man vielleicht auf folgende Art setzen, z. E.

Notenbeyspiel

Præc. Diese sind nichts anders als Variationen oder leibliche Brüder miteinander, folglich um kein Haar besser.

Disc. Was ist denn bey der Sache zu thun?

Præc. Sonst nichts, als daß man zur Noth den andern Zweyer ein wenig verändert, z. E.

Notenbeyspiel

Noch besser ist es, wenn man den ersten Absatz unbeweglich, den zweyten aber beweglich macht; oder umgekehrt, z. E.

Notenbeyspiel

Besonders wenn man den Anfang des andern Zweyers zugleich mit verändert, z. E.

Notenbeyspiel

Die beweglichen werden wieder eingetheilet in unendliche und endliche. Unendliche sind[28], z. E.

Notenbeyspiel

<PDF 23>

<S. 20 / PDF 24>

Die endlichen hingegen sind[29], z. E.

Notenbeyspiel

Mithin kann der erste Absatz ebenfalls mit einer endlichen, und der zweyte mit einer unendlichen formiret seyn; oder umgekehrt, z. E.

Notenbeyspiel

Wenn du sodann die endlich-unendlich-beweglich-und unbeweglichen betrachtest, so kannst du das ☉ mehr als einmal herum kehren. Längere Absätze, nämlich mit 3. oder 4. Täcten, sind daher erlaubt, weil sie mit dem gedachten Liedlein keine so grosse Aehnlichkeit haben, z. E.

Notenbeyspiel

Was das schlimmste ist, so scheinen einigen auch diese zu allgemein zu seyn; denn sie pflegen ebenfalls den zweyten Vierer zu ändern, z. E.

Notenbeyspiel

Wie auch im 2/4, oder gemeinen Tacte, z. E.

Notenbeyspiel

Und dieses in Ansehung der endlich-unendlich-beweglich-und unbeweglichen über ☉, wie, und wann es ihnen nur beliebet.

Disc. Das kann ich mir wohl einbilden. Sind denn folgende Absätze auch zu verwerfen? z. E.

Notenbeyspiel

Præc. Ey beyleibe nicht. Warum hast du nicht auf den Quartsprung des Basses gemerkt?

Disc. Sey still, jetzt verstehe ich es.

Præc. Mithin wirst du bekennen, daß die herabsteigenden Absätze eben auch gut sind, z. Ex.

Notenbeyspiel

Disc. Ich erinnere mich aber in einer Arie folgende Absätze gesehen zu haben, wo der Baß eben auch die Quartsprünge hatte, z. Ex.

Notenbeyspiel

Præc.

<PDF 24>


  1. De metro. Quamvis sæpe etiam apud probatissimos scriptores, pes, metrum, & rhythmus idem prorsus sint. Ut refert Vossius de Poem. & vir. rhythmi. p. 11. ↩︎

  2. Verum gutta cavat lapidem. Und diese Anmerkungen mache ich zum Theil eben nur aus Kurzweil; massen ich nicht gern müßig gehe, wenn ich was zu tändeln kann haben. ↩︎

  3. Menuet. ↩︎

  4. Binarius. ↩︎

  5. Ternarius. ↩︎

  6. Quaternarius. ↩︎

  7. Ein oder anderer altgebackener Mückenfänger mag sich freylich wohl drüber verwundern, absonderlich der die neugebackenen nicht verstehen will. Die Rede ist hier nur von meines gleichen, indem ich das Wort neugebacken gar oft habe anhören müssen. ↩︎

  8. Intervallum. ↩︎

  9. Propria laus olfacit malè: sprechen wir Lateiner. Ein bißgen Eigenliebe und Ehrbegierde wird zwar dem Discantisten so wenig schaden als allen ehrlichen Menschen auf der Welt. ↩︎

  10. Jl cantabile. ↩︎

  11. Acumen. ↩︎

  12. Bedeutet hier nicht den Schluß oder die Cadenz. ↩︎

  13. Das Wort Stimme wird (ob zwar ebenfalls uneigentlich) nur in Ansehung des Papiers gebraucht. Denn man ist gewohnet zu sagen: die Concert-Stimme, die Stimme vom Contra-Baß u. s. w. Sonst ist die Stimme (lat. vox) den Sängern mehr eigen, als den Instrumenten. ↩︎

  14. Thema, Entwurf, wornach das ganze musikalische Stück verfertiget wird. ↩︎

  15. Weil ich in dem Capitel vom Baß mehr Gelegenheit werde haben, hiervon zu schreiben. ↩︎

  16. Tertia nota, die Terz. ↩︎

  17. von Fallen, Ital. cadere, davon cadenza. ↩︎

  18. Nota finalis. ↩︎

  19. Carmina. ↩︎

  20. Sano decisum sero res musice donas. ↩︎

  21. Man verstehet hier ein Menuet-Trio; sollte von rechtswegen in 3. Stimmen bestehen, daher es seinen Namen hat. Man nimmt es aber dermalen nicht mehr so genau. Denn sonst ist Trio soviel als à 3, sage à tre. Noch eine andere erstarrte Ursache dieses Namens Trio will ich nicht aufwärmen. ↩︎

  22. Mobile perpetuum. ↩︎

  23. Oder besser zu sagen: Discantisten, damit ich mich nicht verhaßt mache bey einigen bärtigen Schmierern. ↩︎

  24. Gustus. ↩︎

  25. Viola di braccio,[26] zum Unterscheid der Viola di gamba, Fuß- oder Beinviole. Die Bratsche wird auch bald geschrieben: Viola, bald Alto-Viola, heut zu Tage mehrentheils mit der Verkleinerungsstaffel, Violetta; weil man dieses Instrument nicht mehr so groß und ungeschickt verfertigen läßt, als weiland. ↩︎

  26. Arm- oder Handviole. Braccio, lat. brachium, der Arm. ↩︎

  27. Comma; gleich einem Absatze in Lesung der Schriften. Es ist zwar noch ein anders Comma bekannt, welches in die musicalische Nationalrechnung gehöret, wovon ich meine Meynung zu erklären gedenke, nachdem ich, geliebt es GOtt, mit den sammentlichen Compositions-Regeln werde fertig seyn. ↩︎

  28. Welche nicht gar das End der Octav vom Baß erreichen, sondern nur bis in die Terz gelangen. ↩︎

  29. Welche das End der Octav erreichen. ↩︎